ESIL 1

09.02.2022
Am 31. Januar hat in Mosambik das neue Schuljahr begonnen. Ich unterrichte nun die Elften Klassen in Philosophie, das sind 102 Schüler:innen, aufgeteilt in vier Klassen. 

ESIL steht für "Escola Secundária Inácio de Loyola" und ist eine von nur drei Einrichtungen im Distrikt Tsangano, die zur Studienreife führen. 
Die ESIL wurde allerdings in schwierigem Gelände errichtete. Ein Anschluss ans öffentliche Stromnetz besteht nicht, Solarpanele in Kombination mit Batterien stellen Elektrizität zur Verfügung. Auch ein großer Generator ist vorhanden, wird aber wegen der hohen Dieselkosten nur teilweise genutzt. 
Die vier Kilometer lange Zufahrtsstraße wurde 2020 und 2021 aufwendig erneuert und mit 20 kleinen Brücken versehen. Offensichtlich hat die Baufirma nicht gut geplant und umgesetzt, denn nach den starken Regenfällen im Januar wurde die Brücke am tiefsten Punkt bereits stark beschädigt. Auswaschungen in der Sand/Split- Oberfläche haben große Vertiefungen hinterlassen. 
Die ESIL liegt in einem Funkloch, man muss sich eineinhalb Kilometer auf eine Anhöhe begeben, um Empfang zu haben. 
Da die Anfahrt so schwierig ist, gibt es ein Internat direkt auf dem Schulgelände. Etwa die Hälfte der Schüler:innen (275) ist dort untergebracht. Es besteht der grundsätzliche Konflikt, dass die Jesuiten einerseits Kindern aus armen Familien den Zugang zu Bildung ermöglichen wollen, andererseits die Kosten im Blick behalten müssen. Zwar werden die Lehrer von der Distriktregierung bezahlt, aber beim sonstigen Unterhalt von Schule und Internat ist die ESIL auf Spenden aus dem Ausland angewiesen. 


Die Anmeldungen sind 2022 deutlich zurückgegangen und das hat einen ganz bestimmten Grund:
Der Direktor der ESIL, Pater Augusto, wollte den tatsächlichen Wissensstand seiner Zöglinge ermitteln. Er hatte von Manipulationen der Abschlussprüfungen durch die eigenen Lehrer gehört. Um das zu verhindern, hat er im November letzten Jahres externe Aufsichtspersonen eingesetzt, die sowohl die Prüfungen als auch deren Korrektur überwachten. Und siehe da: 82% Durchfallquote! Diese pädagogische Katastrophe hat sicherlich mehrere Gründe. Coronabeschränkungen und weniger Präsenz- Unterricht spielen sicher eine Rolle, aber Hauptursache ist wohl, dass die Schüler:innen davon ausgegangen sind, dass es so laufen würde, wie die Jahre zuvor: die Prüflinge bearbeiten die Hälfte der Ankreuzfragen und die Lehrer:innen gewährleisten durch das Ausfüllen des Rests das Bestehen der Prüfung. 
Ein Detail macht die Angelegenheit besonders absurd: Die Verantwortlichen der Distriktverwaltung haben Pater Augusto angeboten, sie könnten die Ergebnisse- gegen die Zahlung einer gewissen Summe- nachträglich noch "korrigieren".  Er hat dies natürlich abgelehnt. 
Das schlechte Abschneiden der ESIL hat ein mittleres Erdbeben ausgelöst. Aber wer weiß, was herauskäme, wenn auch in anderen Schulen externe Aufsichtspersonen beteiligt würden. 


 

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